REDLICH & OSLER (DGPh)

DIE REINE KUNST DER
LOCHKAMERAFOTOGRAFIE

Lochkameras (vielfach Camerae obscurae genannt), die wir benutzen, entsprechen dem Ur-Modell des „Fotoapparates“.
Sie bestehen aus einem offenen Kasten, um Planfilm in der konfektionierten Größe von 50,8x61 cm aufnehmen zu können.
Dieser Kasten wird mit seiner offenen Seite in einen zweiten Kasten geschoben, um eine variable Bildweite zu ermöglichen.
Vorn am Außenkasten befindet sich ein Loch, das mit verschiedenen Blenden mit Durchmessern von 0,25 bis 1,0 mm versehen werden kann. Dabei bestimmt die Bildweite (Abstand Blende – Aufnahmematerial) die jeweils richtige Lochgröße.
Je nach Empfindlichkeit des Aufnahmematerials und den gegebenen oder arrangierten Lichtverhältnissen kommt es (entsprechend der Bildweite und der Blendenöffnung) zu Belichtungszeiten von 25 Minuten bis zu mehreren Stunden. Eine Verlängerung der Belichtungszeiten bis zu Tagen und Wochen ist durch den Schwarzschildeffekt möglich und führt zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen, die vor dem Belichtungsprozess möglichst genau kalkuliert werden müssen.
Bilder, die mit der Lochblendenkamera entstehen, sind grundsätzlich „anders“ als Bilder, die mit den heute üblichen Aufnahmegeräten hergestellt worden sind.
Es gibt keine Schärfentiefezone, Bilder, die mit der Lochkamera gemacht worden sind, sind von „vorne bis hinten“ scharf. Und dies auch dann, wenn sich die Kamera nur wenige Zentimeter vom Aufnahmeobjekt entfernt befunden hat.
Durch die große Bildweite und durch Streuung der Lichtstrahlen im Kamerakasten kommt es zu einer geringeren Belichtung der Aufnahmematerialien zu den Rändern hin. Dadurch wird das Positiv zur Mitte hin zumeist heller, das bildwichtigste Detail kann damit besonders herausgestellt, bestimmte Akzente können gezielt gesetzt werden (Lichtsteuerung).

Durch die langen Belichtungszeiten „verschwinden“ bewegte Objekte (Menschen, Wolken, Fahrzeuge) aus dem Bild: es entstehen „stille“ Ansichten einer sonst belebten Welt.
Eine Lochkamera muss nicht fokussiert werden, denn sowohl nahe wie ferne Objekte werden ja in gleicher Bildschärfe abgebildet.

Da eine Linse bzw. ein Objektiv gänzlich fehlt, kommt es zu keinen Abbildungsfehlern. Es gibt keine Brechung und keine Reflexion durch ein oder in einem Objektiv, aber eine Beugung am Blendenrand.

Die Schärfeleistung moderner Objektive erreicht die Lochkamera nicht. Es kommt immer zu einer „naturgegebenen“ Allgemeinunschärfe, die gewissermaßen „atmosphärische Impressionen“ ermöglicht (wie sie z.B. schon von den sog. Kunstfotografen um die vorletzte Jahrhundertwende gewünscht worden ist).

Lochkamera-Arbeiten in unserem Sinne sind keine Schnellschussprodukte, sie sind artifizielle Ergebnisse eines langen Denk-, Vorbereitungs-, Bearbeitungs- und künstlerischen Experimentierprozesses. Ehe ein einziges Bild tatsächlich fertiggestellt worden ist, vergehen oft mehrere Wochen!

Bildideen für eine Lochkamera korrespondieren mit ihrer Bauidee: Nicht der Fotoapparat bestimmt das Bild, sondern die „Vorstellung von der Wirklichkeit“ bestimmt die Gestalt des Apparates.
So ist die Größe des Apparates beliebig: vom Schuhkarton bis zum umgebauten Zimmer mit Löchelchen im Fensterladen ist alles möglich; unsere größte Lochkamera  hat ein
Negativformat von 100x120 cm, sie ist die größte klappbare und damit relativ leicht zu transportierende Lochkamera der Welt !  Damit erreichen wir wie mit unseren „kleinen Kisten“ die höchstmögliche Schärfe durch Kontaktkopie vom gleichgroßen Negativ !

Die Lochkamera ist, benutzt man sie als Werkzeug künstlerischer Prozesse, ein wahres „Teufelsding“: nicht zuletzt vertreibt sie die Beiläufigkeit und Zerstreutheit der „modernen“ Massenfotografie und führt zurück zur Konzentration bei der künstlerisch-fotografischen Auseinandersetzung.

 Von jedem Negativ werden grundsätzlich nur vier Positive als ausschließlich fotografisch bearbeitete Handabzüge hergestellt; insofern ist jedes Lochkamera-Bild ein Unikat, entsprechend signiert und kenntlich gemacht. Eine Massenproduktion, in der die Bilder womöglich auch noch digital bearbeitet worden sind, gibt es im Rahmen der Handabzüge nicht; dies sind weltweit einmalige Sammlerstücke (Vintage-Prints) mit steigendem Wert.



DESIGN - LOCHKAMERA
(50 x 60cm Negativformat)
Mit Doppelkassette, veränderbarer Bildweite
und schwerem Spezialstativ.
KRUMREY KONSTRUKTION
(Bau von Spezialkameras)

 



IM TREPPENHAUS °
IM ORIGINAL 50 x 60 cm